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60 –Jahre BJR – 40 Jahre Gauting Schon die Überschrift lässt vermuten, dass Fort- und Weiterbildung nicht schon in der Geburtsstunde der Jugendarbeit dabei gewesen ist, sondern aus bestimmten, historisch und fachlich nachzuzeichnenden Gründen, erst später auf den Plan getreten ist. Die Vorgeschichte Schon kurz nach der Gründung des BJR wurden Anstrengungen zur Gründung einer Jugendleiter-Schule unternommen, selbstverständlich für die Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit – und dies umso notwendiger, weil die Verbände nach Faschismus und Weltkrieg nicht auf einen gewachsenen Stamm von Jugendleitern zurückgreifen konnten. Institutionell abgesichert fanden diese Schulungen zwischen 1949 und 1953 in Niederpöcking am Starnberger See eine erste Heimstatt. Nachdem diese Schule aus finanziellen Gründen geschlossen und an den DGB verkauft wurde, fanden diese Schulungen wie auch die Jugendpfleger-Ausbildung eine Zeit lang dezentral an verschiedenen Orten in ganz Bayern statt. Die Haus-Geschichte Das Institut für Jugendarbeit, genauer gesagt die Jugendstilvilla des Instituts, wurde als neoklassizistischer Bau geplant und gebaut vom Münchener Architekten und Bauunternehmer Borst (Borstei) für die jüdische Familie Jucht. Nach deren Enteignung und Flucht fiel das Haus (vermutlich zu günstigen Konditionen) an Hugo Junkers, einen der Miteigentümer der Junkers-Flugzeugwerke. Nach verschiedenen Eigentumswechseln in der Nachkriegszeit erwarb der bayerische Staat das Anwesen 1952, um dort das UNESO – Institut für Jugendfragen einzurichten (im Zuge der „reeducation“-Bemühungen der amerikanischen Besatzungsmacht). Schon damals war zwischen dem Bund, dem Freistaat Bayern und der UNESCO vereinbart worden, dass für den Fall, dass das Institut von der UNESCO nicht weitergeführt würde, Grundstück, Baulichkeiten und Einrichtung weiter der Jugendarbeit verbleiben sollten. Zwischen 1967 bis 1972 nahm das Institut unter der Bezeichnung „Institut für außerschulische Jugendarbeit“ seine Arbeit auf. In diese Zeit fällt auch ein erster Neubau als Übernachtungsmöglichkeit. Eine Zäsur erfolgte 1972, als eine bis heute in ihren Grundzügen gültige Neukonzeption verabschiedet wurde (s. weiter unten) und das Institut seinen bis heute gültigen Namen erhielt. In den neunziger Jahren erfolgten groß angelegte Umbaumaßnahmen: der Übernachtungsbereich wurde neu errichtet mit zeitgemäßen Standards, ein Neubau – der Saal – wurde als moderner Erweiterungsbau errichtet. Die inhaltliche Geschichte Fortbildung, damals die Jugendleiterschulung und Jugendpflegerausbildung hatten Ehrenamtliche und Funktionäre aus der Jugendarbeit zur Zielgruppe. Dies änderte sich entscheidend Anfang der siebziger Jahre, als die Fachhochschulausbildung als Regelausbildung für Berufe in der Jugendarbeit etabliert wurden und sich zeitgleich ein Professionalisierungsschub in der Jugendarbeit entwickelte. So gab es 1973 etwa 800 Fachkräfte in der Jugendarbeit, heute sprechen wir von rund 7.000 (Teilzeitstellen inbegriffen), hinzu kommt natürlich noch der Ausbau und die Professionalisierung in anderen Bereichen der Jugendhilfe. In dieser ersten Konzeption wurde für das Institut in Gauting die Fortbildung für Fachkräfte der Jugendarbeit als wesentliche Tätigkeit festgeschrieben, hinzu kommen Ehrenamtliche in besonderen Funktionen oder mit besonderen Aufgaben. Als Zielgruppen wurden weiter angegeben: Funktionsträger aus dem Bereich Bildung und Erziehung, andere für die Jugendarbeit bedeutsame Personen. Laut der damaligen Konzeption soll das Angebot von Gauting zwischen Theorie und Praxis vermitteln. Als landeszentrale Fortbildungseinrichtung befand sich das Institut von Anfang an mit den beruflichen Zielgruppen in der Jugendarbeit und war dementsprechend mit allen Entwicklungen wie auch den modischen Torheiten der Jugendarbeit verbunden. In einer launigen Rede zu seinem Abschied bemerkt der langjährige Direktor des Hauses, Dr. Roland Feldmann, zu diesen Entwicklungen: Am Anfang stand die Gruppendynamik
In den Beziehungen in der
Gruppe und deren Klärung werden soziale Mechanismen und individuelle
Verhaltensmuster als Reaktionsweisen auf die anderen in der Gruppe deutlich:
Rivalitäten, Nähe, Distanz, Übertragungsphänomene, Abwehrmechanismen werden
im aktuellen Geschehen gelebt und
verstanden: Prinzipien: Hier und Jetzt: Die
Gruppe als Lernfeld. Die Antiautoritäre Erziehung: Stichwort: Autorität ist nicht legitimierte Machtausübung
und sie hemmt die menschliche Entwicklung durch Fremdbestimmung. Also weg mit
der Fremdbestimmung! Damit kam und blieb der politische Aspekt in allen meinen
konzeptionellen Ideen zur Bildungsarbeit. Den Jugendlichen hat`s gefallen. Wir waren moderne Pädagogen
aber nicht Verantwortlich für die realen Strukturen, in denen Jugendliche
lebten und lernten. Damit (mit der Antiautoritären Erziehung) kam die
emanzipatorische Erziehung ins Spiel. Wir Pädagogen/innen wussten. was für
Jugendliche notwendig ist: sich befreien von allen nicht notwendigen Zwängen, von
entfremdeter Arbeit, von gesellschaftlichen Normen, historischen und
selbsternannten Autoritäten. Wir erklärten, wie das läuft in einem
kapitalistischen Gesellschaftssystem, dass wir Objekte der Verhältnisse sind.
Wir mussten durchschauen und erklären. Die Erkenntnis als Grundlage des
Handelns. Wir zeigten die Mechanismen von Macht und Abhängigkeit
auf und erklärten, dass alles zu hinterfragen sei auf seine Legitimation hin.
Aber vor wem legitimiert. Vor dem Individuum natürlich und seiner Freiheit. So kam es zur Bedürfnisorientierung
wir
erkannten, wir müssen das Subjekt als Objekt unserer Bemühungen erkennen,
sehen wo der einzelne steht, was seine Bedürfnisse sind, Er/sie müssen ihre
Bedürfnisse erst artikulieren lernen. Und wir schauten auf den sozialen und
kulturellen Hintergrund, warum ist jemand so geworden, wie er ist. Und bestanden
darauf, dass jeder sagt, was sein Bedürfnis ist und wenn wir mit Meditation und
anderen nicht auf Ratio, sondern auf das so sensible Sensorium „Bauch“
abgestellten Übungen der Verinnerlichung nachhelfen mussten. In der Zeit sind viel sog Bauchentscheidungen getroffen
worden, so z.B. Wir haben wunderbare Theaterstücke hier entwickelt, die
großartig, die zeigten, wir der einzelne mutige „aus dem Bauch heraus“ zu
sich selber steht, die alte Kultur des Patriarchat aufbrach. Situationsansatz
Dann wurde klar, was zählt ist die Situation. Also der
situationsorientierte Ansatz: Wenn wir alles wissen und einsehen, können wir immer
noch in der konkreten pädagogischen Situation uns nicht angemessen verhalten.
Jetzt kam der Pädagoge selber ins Spiel mit seiner Präsenz, seinen eigenen
Verhaltensmustern und deren Wirkungen. Wie stelle ich mich auf die Jugendlichen
ein? Die Antwort: Verstehend,
wertschätzend, fördernd, konfliktregulierend
Der geschlechtsspezifische Ansatz. Wir entdecken den geschlechtsspeziefischen Ansatz: Erst
die Frauen, die ihre Abhängigkeit und Benachteiligungen erkannten und in
politischen Aktionen aber auch in Bildungsmaßnahmen aufklärend und aktiv gegen
gegen die Dominanz der Männer und der männlich geprägten Ordnungen und
Institutionen kämpften und aus feministischer Sicht andere, menschlichere
Strukturen wollten. Dann wurde klar: es sind auch die Jungens, denen es nicht so
gut geht. Sie brauchen Vorbilder gelungener männlicher Sozialisation. in einer
Vaterlosen Gesellschaft. Konfrontative
Ansatz
Da war auch schon der nächste Gedanke da. Bloß nicht
so verständig sein, das sind sind inzwischen überall alle – sogar schon
Politiker. Pädagogik heißt auch ,konfrontieren, Forderungen stellen! Der handlungsorientierte Ansatz
Ein weiterer Maxime (heute fast die vorherrschende) der
„Handlungsorientierte Ansatz“; besonders ausgeprägt in der Kulturpädagogik
und der Erlebnispädagogik mit ihren je unterschiedlichen Medien. Lernen geschieht über erleben. Erlebnis bringt´s. Wir
Pädagogen/innen organisieren diese Erlebnisse, regen sie an oder konstruieren
sie und sind die Führer in diesen Erlebniswelten. Mit dem Ergebnis, dass
Erlebnispädagogik oder erlebnisorientiertes Lernen als die Methode der
Wahl gilt und prompt auch missverstanden wird. Hauptsache es passiert etwas. Es
muss Spaß machen, es darf nie langweilig sein und das heiß für viele: dann
auch nicht nachdenken – denn das verdirbt den Spaß! Und der Trend in der Pädagogik geht dahin, pädagogische
Ziele nur noch durch eine Übung,
ein Spiel, die Erstellung eines Produkts erreichen zu wollen (natürlich weiß ich, dass das bei den fachlich
fundierten Erlebnispädagogik/ Kulturpädagogik nicht
so ist, dass dort die Ernsthaftigkeit der Selbsterkenntnis und der Arbeit an
sozialen Kompetenzen im Mittelpunkt steht. - ich selber bin ja beteiligt gewesen
an der Entwicklung der ZQ Nicht zu vergessen natürlich der Systemische Ansatz
zu Erklärung von Lebensbedingungen und deren Veränderung durch Änderungen im
System Es ist schon klar, dass alle Strömungen ihre gute Begründung
– nicht nur historisch gesehen - haben. Und ich muss gestehen, dass ich
all diese Ansätze grundsätzlich positiv bewerte.
Alle diese Ansätze sind notwendige Reaktionen auf die erkannten Phänomen
der Zeit sicherlich richtig- aber für die konkreten Jugendlichen oder Gruppe
nicht immer gleich wichtig oder hilfreich. Bleibt heute die alte Frage Wie kommen wir nicht nur zu einer differenzierten Sicht, sondern auch zu einem ganzheitlichen pädagogischen Handlungskonzept. Als ehemaliger Leiter und Dozent des Instituts würde ich sagen: möglichst viele Zusatzausbildungen bei uns belegen. Als jetzt verrenteter Pädagoge sage ich:
Es bleibt ja nichts anders übrig:
wir müssen in komplexen Situationen, möglichst eindeutig handeln. Da
hilft nicht kein bestimmter Pädagogik-Aspekt, kein riesiges Methodenrepertoire,
keine gesellschaftspolitische Utopie, kein Blick aufs System, auf das
Geschlecht, kein Blick auf die einzelnen und den Gruppenprozess - da hilft nur
alles gleichzeitig Wenn man es denn so will, dann kann man – holzschnittartig vereinfacht – auch von verschiedenen Perioden sprechen:
Da ging es natürlich nicht unter der Proklamierung der
antikapitalistischen Jugendarbeit (Thema einer Kooperationstagung mit dem DBJR
im Jahre 1970). Im Vordergrund vieler Fortbildungen standen Reflexionen über
und Forderungen an das gesellschaftliche System der BRD. An diesem Beispiel,
aber auch für die weitere Zeit, sieht man, dass die Jugendarbeit und ihr
Fortbildungssystem immer gleichsam auf der Höhe der Zeit waren, eingebettet in
die vorherrschenden gesellschaftlichen Trends der jeweiligen Jahre.
Nach dem Scheitern mancher politischen Utopie fand auch in Pädagogik und Jugendarbeit eine Rückbesinnung statt: „Ich und die Gruppe“ waren jetzt häufiger Thema, oder die Erkenntnis, dass Methodenwissen nicht alleine die Praxis verändert. Sondern auch das Erekennen der eigenen Haltung und Möglichkeiten.
Mit dem Ansatz der Offenen Kinder- und Jugendarbeit revolutionierte sich die Jugendarbeit. Erstmals überwogen die Fachkräfte die Ehrenamtlichen; vorherrschende Angebotsform war nicht mehr die Gruppenstunde und die Fahrt, sondern die Einrichtung; der Unterschied von Jugendarbeit und anderen Feldern der Jugendhilfe verlief nicht mehr so trennscharf. Dementsprechend kamen neue Tätigkeitsprofile auf die Jugendarbeit zu und ehe die grundständige Ausbildung darauf reagieren konnte, war es wichtiges Thema in der Fortbildung
Mit dem Ende der vorwiegend industriellen Arbeitsweise zu
einer wissensgesteuerten Arbeitswelt verändern sich viele gesellschaftlichen
Instanzen und Vorstellungen radikal. Alte moralische Instanzen verlieren an Überzeugungskraft,
die Arbeitsplätze werden rar, ökonomische wie kulturelle
Globalisierungsprozesse beschleunigen sich. Sozialogische Befunde wie „Die
Risikogesellschaft“ (Beck), „die radikalisierte Moderne“ (Giddens)
oder „der flexible Mensch“ bedeuten für den Jugendlichen vor allem
eins: Verlust von vermeintlichen Sicherheiten und Gewinn an individueller
Freiheit mit all ihren Risiken des Scheiterns. Spürbar waren diese Veränderungen
vor allem in den nun massenhaft auftretenden Jugendkulturen, die ihren
Niederschlag auch in der Jugendarbeit fanden bzw. sich auch eigenen
Ausdrucksformen suchten
Sicherlich muss sich die Jugendarbeit eine
Kosten-Nutzung-Rechnung gefallen lassen, solange sie öffentlich gefördert wird
und je umfangreicher ihre Leistungspalette wird, um so notwendiger sind
Management- und qualitätssichernde Maßnahmen. Rechnungswesen, Personalführung,
Teamarbeit oder Projektarbeit skizzieren eine Entwicklung in der Jugendarbeit,
die zunächst einmal nicht ihre Inhalte fixiert, sondern ihre Verfahren
Je mehr sich die Jugendarbeit entfernt von ihren bündischen
Traditionen, von ihrem politischen Anspruch und sich annähert an allgemeine
Bildungsaufgaben und der Arbeit mit als problematisch definierten Jugendlichen,
umso deutlicher tritt beim einzelnen Jugendarbeit/in die Suche nach gelungenen
Handlungskonzepten in den Vordergrund. Da geht es um konfrontative Methoden zur
Auseinandersetzung mit gewalttätigen Jugendlichen, da geht es um
Erfahrungslernen und Hilfe zum kreativen Ausdruck. Es geht um Medienkompetenz,
um Sozialkompetenz, um Ausdrucksfähigkeit. Kurzum: zwischen Bildungsansprüchen
und alltäglichem Überleben Ersetzt man in der obigen Aufzählung den Begriff „-phase“
durch „Anteil“, so entspricht dies dem Prozess einer lernenden Organisation.
Das Feld der Jugendarbeit und die Kompetenzen der Miterbeiter/innen entwickelt
sich nicht geradläufig und in großen Sprüngen, sondern eher in
Pendelbewegungen: eine Herausforderungen wird erkannt (wird vielleicht etwas überbetont
als Modeerscheinung), es folgen Handlungsansätze bis es dann wieder gilt: neues
Thema, neue Herausforderung, neue Konzepte. Dabei bleibt das alte nicht gänzlich
auf der Strecke, sondern in einem guten evolutionären Sinn wird das
beibehalten, was sich als erfolgreich bewährt hat (so findet sich schon im
ersten veröffentlichten Programm von 1972 die Veranstaltung „Mit Konflikten
leben“). Es gibt Konstanten, es gibt Irrläufer und es gibt
Weiterentwicklungen, ganz im Sinne eines vor Jahren beliebten Kinderspiels. Wo stehen wir heute? Da ausgeschriebene Programm des Instituts hat sich von 12 Veranstaltungen im Jahre 1972 auf mehr als hundert in den letzten Jahren entwickelt. Aber nicht die Zahl ist so bedeutsam, sondern die Ausdifferenzierung, die ganz verschiedene Bedarfe der Jugendarbeit und Bedürfnisse der Teilnehmer/innen abdeckt: - da gibt es die Kategorie der Feldqualifizierungen (OKJA, Kommunale Jugendarbeit, Streetwork, Gemeindejugendarbeit) - die themenbezogenen Fortbildungen (Politische Bildung, Management und Selbstkompetenz, Politische Bildung, Pädagogische Feldkompetenz, Kulturelle Bildung und Neue Medien) - die berufsgruppenbezogenen Fortbildungen für jeweils einen festen Teilnehmerkreis, z.B. Jugendbildungssstätten, Jugendinformationszentren, Verwaltungsangestellte u.a.m. - rund ein Dutzend Zusatzausbildungen, ein Teil meist 12-14-tägig, ein anderer Teil 24-36-tägig, berufsbegleitend über zwei Jahre mit einem zertifizierten Abschluss Seit dem Umbau in den neunziger Jahren und einen damit verbundenen Umbau der Personalstruktur sieht sich das Institut dem Gebot der Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Mit einer Auslastungsquote von rund 65 % sowie einem finanziellen Deckungsgrad von etwa 57 % konnte das Institut in der letzten Zeit jährlich seine wirtschaftlichen ziele erreichen. Ein weiteres Merkmal des heutigen Leistungstandes ist die
gute Rückkoppelung mit verschiedenen Berufsgruppen aus der Jugendarbeit und die
gute Abstimmung mit den Kollegen/innen aus der Geschäftsstelle des BJR, wodurch
ein bedarfs- und entwicklungsgerechtes Angebot möglich ist. Desweiteren ist eine besondere Stellung in einem vielfältigen
Netzwerk ausserhalb der Jugendarbeit zu benennen: Kooperationen mit
Fachhochschulen, Fachakademien und Fachverbänden gewährleisten ein hohes
Niveau des Angebotes und einen guten Theorie-Praxis-Transfer. Kooperationen mit
der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalentwicklung, mit qualifizierten
Trägern im Kultur- und Medienbereich ermöglichen eine Ausweitung des
Angebotes. Durch diese Kontakte wird die Jugendarbeit andererseits interessant für
die Kooperationspartner und lenkt deren Aufmerksamkeit auf die Jugendarbeit. Zu den Perspektiven Ausgehend von der Annahme, dass jede Fortbildungspraxis eine bestimmte Form und Ausprägung der Professionalität erzeugt bzw. befördert, liegt eine besondere gesellschaftliche Verantwortung in der Gestaltung des Fortbildungsprogramms in Gauting, weit über die tagesaktuellen Erfordernisse hinaus. In die Ausgestaltung des Programmes gehen drei Interessen ein: Die Praxis der Jugendarbeit
Das Institut die Teilnehmer/innen Die Praxis der Jugendarbeit ist bestimmt einerseits von Traditionen, Alltagshaltungen und Wertevorstellungen, die das kulturelle Fundament zumindest der Verbände darstellen und anderseits von wissenschaftlichen Ergebnissen, die den Fachkräften während ihrer Ausbildung vermittelt werden. Aktuell entwickelt sich die Praxis nach allgemeinen gesellschaftlichen Vorgaben und den konkreten die Jugendarbeit betreffenden Beschlüsse der jeweiligen Ebenen und Körperschaften. In den Fachprogrammen und Projektförderungen für die Jugendarbeit kommt dieser politische Wille konkret zum Ausdruck, mal mehr strukturell angelegt wie die Mitarbeiterförderung mal mehr aktuellen Erfordernissen dienend wie das Fachprogramm Integration. Weiterentwicklung der Jugendarbeit, eingebettet in traditionelles Verständnis, wissenschaftlichen Ergebnissen und politischen Erfordernissen ist eine wesentliche dem BJR übertragene Staatsaufgabe, die er schwerpunktmäßig im Institut in Gauting wahrnimmt. Aus Sicht der Teilnehmenden kommt dem nachweisbaren Einzelkompetenzzuwachs entscheidende Bedeutung zu. Nicht allein das Wissen um ein Thema, das Anreissen eines Inhaltes ist von Bedeutung, sondern ein nachweisbarer und nachhaltiger sowie theoretisch begründeter Praxisgewinn, der sich nicht bloß auf eine Methode oder Thema bezieht. Dieses Bedürfnis des Einzelnen ist nicht immer, aber sehr oft, deckungsgleich mit den Bedarfen des Feldes der Jugendarbeit. In dem einen Fall führt es zu einer verbesserten Handlungskompetenz im Feld, im anderen zu einer Möglichkeit, andere Sichtweisen zu gewinnen und auch das Feld verlassen zu können. Im Sinne einer positiven Personalgewinnung ist dieser Aspekt sehr wichtig für die Jugendarbeit, um sich motivierte Mitarbeiter7innen erhalten zu können, Dem Institut schließlich kommt die Aufgabe zu, das Thema Jugend in dieser grundsätzlichen Dimension zu bedenken. Vordergründig geht es um einen bewussten Ausgleich der oben genannten beiden Interessensfelder. Es geht aber um mehr: Professionstheoretisch geht es darum, welche Konsequenzen das Wissen um die gesellschaftliche Lage und das Wissen um die Problemlagen von Kindern und Jugendlichen es für die professionelle Ausrichtung hat. Pragmatisch geht es darum, die Handlungsdimension der Fachkraft, die notwendig speziell ist, zu ergänzen um eine Reflexionsdimension, die vom Adressaten ausgehend die Sinnhaftigkeit des jeweiligen Handelns begründen kann. Gerade bei langjähriger Berufserfahrung ist es nicht einfach, gewonnene Routine aufzubrechen und neue Sichtweisen zuzulassen. Und schließlich ist es, bei den derzeitigen gesellschaftlichen Tendenzen, alles zu ökonomisieren, alles auf den Markt zu setzen und jedes Risiko auf das Individuum outzusourcen, besonders wichtig, den Adressaten, die Kinder und Jugendlichen, und das Ziel einer humanen und solidarischen Gesellschaft, nicht aus dem Auge zu verlieren. Albert Fußmann 9.02.07 |
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