Jahresprogramm 2017

Gedanken vorab

Kann man Demokratie lernen..

…ja, wenn man die Freiheit zum
ausprobieren hat!

Es ist alles andere als ein Zufall, wenn erstmals im Jahresprogramm des Instituts der
Bereich der Politischen Bildung die größte Zahl an Veranstaltungen aufweist. Angesichts
der Reaktion vieler Menschen auf die gesellschaftlichen Umbrüche unserer Zeit wird in
der schulischen wie in der außerschulischen Bildung zu neuen Konzepten aufgerufen.
Auf schulischer Seite ist in Bayern neben dem seit dem letzten Schuljahr neu verfassten
„Gesamtkonzept für Politische Bildung an Schulen“ aktuell die zum jetzigen Schuljahr
freigeschaltete Webseite „www.demokratielernen.bayern.de“ zu nennen.
Auf außerschulischer Seite haben sich in den letzten Monaten u.a. für eine Stärkung der
Demokratiebildung ausgesprochen: die AGJ, das Bundesjugendkuratorium und der 15.
Kinder- und Jugendbericht. Gerade von außerschulischer Seite wird betont, dass Demokratiebildung nicht darin besteht, die politischen Institutionen und formale Verfahren
zu kennen. Und alle Stellungnahmen betonen weiterhin, dass Bildungsanstrengungen
strukturelle Ungleichheiten und Nicht-Beteiligung nicht ausgleichen können. Es geht
nicht um eine politische Bildung im engeren Sinne, also Beteiligung an Wahlen oder
etwaiges Engagement in Parteien, sondern um Demokratie als Lebenseinstellung, als
Haltung und als Aktivität.
Die Notwendigkeit zu Demokratiebildung ergibt sich jedoch nicht aus alarmierenden
Wahlergebnissen oder speziell aus den Wahlergebnissen der Jugendlichen. Diese befinden
sich weit stärker als die Gesamtgesellschaft in der gesellschaftlichen Mitte und
legen ein deutlicheres Bekenntnis zu Europa, der Gültigkeit der Menschenrechte, wie
sie im Grundgesetz formuliert sind, und zu einer offenen Gesellschaft ab als die ältere
Bevölkerungsgruppen. Die Notwendigkeit zur Demokratieerziehung ergibt sich vielmehr
aus dem, was der Soziologe Andreas Reckwitz als den Vorrang der Singularitäten
beschreibt: nicht das Allgemeine, das Verbindende steht im Mittelpunkt der (medialen)
Aufmerksamkeit, sondern das Einzelne, das Besondere.

Demokratiebildung bedeutet aber entscheidend mehr als Institutionenkunde oder
Wertschätzung der Demokratie als Regierungsform, sondern vor allem eine aktive Beteiligung und Gestaltung. Befähigung zu politischem Handeln heißt das Ziel, und das
schließt auch Unbequemes, Aneckendes, Ungewohntes, Polarisierendes mit ein. Und
dafür bedarf es Freiheiten jenseits institutioneller Vorgaben.
Neben den bewährten Angeboten zu Kommunikation, Konfliktfähigkeit und Toleranzförderung bietet das Institut zum ersten Mal eine Zusatzausbildung mit dem Titel
„Demokratie-Bildung in der Jugendarbeit“ an, vergl. Seite 32.

Zum Schluss ein Wort in eigener Sache: dieses Jahresprogramm wird das letzte in meiner
Verantwortung sein, da ich altersbedingt Mitte kommenden Jahres in Rente gehen
werde. Ich bedanke mich bei allen Teilnehmenden unserer Angebote, sowie ihr Einbringen
von Ideen, ihre Inspiration und ihre Bereitschaft, sich im Sinne der fachlichen und
persönlichen Qualifizierung weiterzubilden sowie für Ihr Engagement für die Belange
von Kindern und Jugendlichen.

Gauting, 1. Oktober 2018

Albert Fußmann

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